Wandeln auf Gottes Acker

20. Oktober 2015 19:48
   

Gerade an Alllerheiligen, das Fest wurde von Abt Odilo von Cluny im 9. Jahrhundert eingeführt, besuchen diejenigen die Gräber ihrer lieben Verstorbenen, welche sonst im Jahr nur sehr selten dort anzutreffen sind. Um alle übrigen Verstorbenen zu ehren, welche nicht im Status der Heiligkeit stehen, zu ehren, wurde im 10. Jahrhundert am 2. November, das Allerseelenfest gestiftet.

Friedhöfe waren seit frühester Zeit nicht nur heilige Orte, sondern auch besondere Rechtsbzirke: Wer sich auf einem Friedhof befand, durfte weder von der geistlichen noch weltlichen Justiz belangt werden – also eine reine Zeitfrage, wie lange man dort verbleiben konnte. Zudem sollte man auch bedenken, dass menschliche Knochen, Mumien oder auch von Grabsteinen gekratztes Moos noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Medizin und Volksmedizin reiche Verwendung fanden.

Der Wiener Zentralfriedhof, neu angelegt im Jahre 1874 ist der größte Gottesacker – 550.000 Gräber, von denen jährlich 4.000 wieder aufgelöst werden – der Republik Österreich. In der Architektur der Wiener Ringstraßenzeit gebaut, sind die Gebäudeensembles auch heute noch beeindruckend. Im Untergeschoß der Aufbahrungshalle 2 befindet sich seit Herbst 2014 das aus der Goldegggasse hierher übertragene Bestattungsmuseum. Betreut von Frau Mag. Helga Bock und ihrem Team lohnt sich der Besuch allemal. Man erfährt hier viel Wissenswertes über das Bestattungswesen, wie ja gerade die Wiener bis heute ein besonderes Verhältnis zum Tode haben, „die schene Leich“ hat hier seit Ende des 18. Jahrhunderts Tradition – und das bis heute.

Der Zentralfriedhof Wien mit seinen zahlreichen Ehrengräbern – man begegnet hier den letzten Ruhestätten von zahrleichen Prominenten wie Beethoven, Schubert, Nestroy, Annie Rosar, Margarethe Schütte – Lihotzky, Inge Conradi, Gusti Wolf, Falco oder auch Udo Jügens – lädt gerade zur Herbstzeit mit ihren verschiedenen Farbnuancen zum Flanieren und auch Staunen ein. Durch das Ambiente stellen sich von Selbst heute oftmals zu kurz gekommene Gemütsregungen wie Ehrfurcht, Innehalten und Pietät ein. Es ist zudem äußerst interessant an den Grabsteinen die vielfältige Symbolik der Vergänglicheit (Fledermaus, Kröte, Schlange, Schmetterling, abgebrochene Kerze u. v. a. m.) sich eingehender zu vergegenwärtigen.

Foto: Copyright rudolf ortner / www.pixelio.de

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